Der nackte Berater – Vertrauensbasis im BEM

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in der Praxis

Verfasst von Dr. Frank Stöpel

Dipl.-Pädagoge, Schwerpunkt berufliche Rehabilitation, Herausgeber des Newsletters BEM-Aktuell, Fachautor, BEM Seminarleiter & Coach

Ein IT-Berater unterstützt verschiedene Organisation in Deutschland. Dafür ist es notwendig, dass er beim Kunden vor Ort ist. Während der Corona-Zeit hat er nach eigenen Angaben eine starke Kontaktallergie gegen Kleidung ausgeprägt und könne nur noch nackt arbeiten. Daher möchte er nur noch im Homeoffice tätig sein, was aber aufgrund der Aufgaben beim Kunden nicht umsetzbar ist. Während des BEM-Prozesses kam die Information, dass dieser Mitarbeiter gerade Urlaub in der Türkei macht.

Es gibt BEM-Fälle, da besteht eine gewisse Fragwürdigkeit was die Aussagen des BEM-Nehmers anbelangt. Ein ärztliches Attest hilft hier auch nicht unbedingt weiter, weil manche Menschen zwei Ärzte haben: zu dem einen gehen sie, wenn sie was haben und zu dem anderen, wenn sie was brauchen …
Damit man als BEM-Berater eine bessere Argumentationsbasis gegenüber dem Arbeitgeber hat, wäre hier eine Möglichkeit, eine Stellungnahme vom Betriebsarzt anzufordern. Eventuell muss man den BEM-Nehmer aber auch darauf aufmerksam machen, dass eine solche Stellungnahme auch die Vorlage für eine personenbedingte Kündigung sein kann, wenn die übertragenen Aufgaben & Pflichten nur beim Kunden und damit bekleidet ausgeführt werden können. Grundsätzlich kann diese Einschränkung des Mitarbeiters durchaus bestehen, wenn er aber wirklich in der Türkei war, schränkt dies die Glaubwürdigkeit stark ein und dürfte das Engagement des BEM-Beraters stark reduzieren – wenn denn dieses Gerücht stimmen sollte!

Es kann auch im BEM passieren, dass die BEM-Nehmer uns nicht ganz die Wahrheit erzählen. Dies geschieht nicht aufgrund von bösen Willen, sondern weil dies aus ihrer Perspektive das bestmögliche Verhalten ist. Wenn eine gute Vertrauensbasis besteht, kann sich der BEM-Nehmer öffnen und das eigentliche Thema benennen. Bei dem IT-Berater könnte das alles mögliche sein: eine Angsterkrankung, Depression oder eine andere psychische Erkrankung,
familiäre Probleme oder auch gesundheitliche Probleme, mit welchen auf Reisen schwer umzugehen ist.

All dies kann nur angegangen werden, wenn darüber gesprochen wird. Es geht nicht darum, den BEM-Nehmer „zu knacken“ – Gewalt ist keine Lösung! Manchmal hilft Akzeptanz, Geduld und die Inspektor Columbo Frage:

Eine Sache verstehe ich noch nicht …

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